open-Q Klassifikation

Die open-Q Klassifikation

Designkriterien

Eine Klassifikation des Dienstleistungsangebotes ist eine notwendige Grundlage für die Schaffung eines elektronischen Produktdatenkataloges. Wären die Dienstleistungen nicht mittels einer standardisierten Klassifikation identifizierbar, würde eine hierarchische Katalogsuche über Produktkategorien in vielen Fällen zu fehlerhaften oder unvollständigen Ergebnissen führen. So ordnet beispielsweise ein Anbieter eine Schulung in Firewalltechnologie im einen Fall der Kategorie "Internet" zu, während sie ein weiterer Anbieter genauso gut der Kategorie "Netzwerke" unterordnen könnte. Im Extremfall könnte man solch eine Schulung gar einer Kategorie "Unternehmenssicherheit" zuordnen (wo sie vielleicht gleich neben der Ausbildung für das Wachpersonal zu finden wäre). Nur eine standardisierte Klassifikation stellt sicher, dass alle Anbieter ihre Angebote in vergleichbarer Weise ordnen und nur so ist sichergestellt, dass die Nachfrager die von ihnen gewünschten Angebote auch zuverlässig finden können.

Im Fall von Angeboten aus dem Bereich Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen gibt es grundsätzlich mehrere Möglichkeiten, diese hierarchisch zu klassifizieren. Viele Anbieter dieser Branche ordnen ihre Kataloge themenbezogen. Kategorien in einem nach diesem Schema organisierten Katalog wären also beispielsweise "Elektrotechnik" oder "Betriebswirtschaft". Es ist aber genauso gut möglich, die Angebote nach den Zielgruppen zu ordnen, an die sich die Dienstleistungen primär richten. Als Beispiele für Kategorien in einem zielgruppenbezogenen Katalog könnte man "Einkauf" oder "Personal" nennen. Auch eine Klassifikation nach dem Typ der Dienstleistung kann in Betracht gezogen werden. Ein solcher Katalog würde seinen Inhalt nach Kategorien wie etwa "Präsenzseminar" oder "Computer Based Training" einteilen. Grundsätzlich sind auch noch andere Systematiken denkbar, anhand derer sich eine Klassifikation für Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen ausrichten lassen würde. In der Praxis sind die dargestellten Möglichkeiten der Klassifikation aber die gebräuchlichsten.

Für alle drei genannten Arten der Klassifikation können plausible Gründe angeführt werden. Die Einteilung nach der Zielgruppe ist wohl die am meisten kundenbezogene Sichtweise. Sie erlaubt es den Kunden, schnell die für sie geeigneten Kurse zu finden. Allerdings ist die Treffermenge, die eine Suche in einer solchen Klassifikation zurückliefert, vermutlich in der Regel zu unscharf, da eine Kategorie ja Dienstleistungsangebote aus den unterschiedlichsten Themengebieten enthalten kann. Es ist somit für die Kunden relativ aufwendig, das eigentlich gewünschte Angebot aus der Treffermenge herauszufiltern. Auch werden so Angebote leicht übersehen, die aufgrund ihres inhaltlichen Charakters durchaus für den Kunden geeignet wären, die aber durch den Anbieter einer anderen Zielgruppe zugeordnet wurden.

Für die Klassifikation nach dem Dienstleistungstyp spricht vor allem die Tatsache, dass diese Einteilung eine scharfe Trennung nach Produktmerkmalen erlaubt - schließlich hat ein Präsenzseminar andere Charakteristika als etwa ein CBT (letzterer hat beispielsweise im Gegensatz zu einem Präsenzkurs weder die Eigenschaft "Referent", noch ein "Datum" noch einen "Ort"). Die Merkmale können somit eindeutig jeweils den Produkten zugeordnet werden, für die sie auch zutreffen. Der Hauptnachteil der Klassifikation nach dem Dienstleistungstyp ist die geringe Anzahl an möglichen Kategorien. In ihrer überwiegenden Mehrheit sind die derzeit existierenden Aus- und Weiterbildungsangebote vom Typ "Präsenzseminar". Der Marktanteil anderer Dienstleistungsarten wie "CBT" und "WBT" ist momentan eher vernachlässigbar. Somit würde ein Großteil aller Dienstleistungen einer einzigen Kategorie zugeordnet. Der Hauptvorteil einer hierarchischen Klassifikation für die Nachfrager, nämlich die erleichterte Suche nach Produkten, ist damit hinfällig. Zusätzlich verstärkt wird dieser negative Eindruck durch die Erkenntnisse einer im Rahmen des Projektes "open-Q" durchgeführten Erhebung bei Nachfragern von Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen, nach der das Merkmal "Art der Dienstleistung" für die Nachfrager bei der Suche nach geeigneten Angeboten nur eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielt. Des weiteren bestätigte die Erhebung auch die naheliegende Vermutung, dass bei der Suche nach Weiterbildungsangeboten das Thema der Dienstleistung die mit Abstand wichtigste Stellung einnimmt. Eine Suche über das Thema ist somit auch die "natürlichste" Art der Suche für die Nachfrager von Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen.

Die thematische Einteilung entspricht im übrigen auch der Sicht mit der die meisten Anbieter selbst ihre Kurse in der hauseigenen Datenhaltung klassifizieren, auch sind die weitaus meisten herkömmlichen Papierkataloge nach dieser Methode aufgebaut. Diese Art der Klassifikation ist daher sowohl den Anbietern als auch den Nachfragern (über die bereits gewohnten Papierkataloge) also bereits vertraut.

Unter dem Strich sprechen die meisten Gründe für eine themenbezogene Klassifikation der Dienstleistungsangebote. Man braucht deswegen auf die Vorzüge der beiden anderen Klassifikationsarten jedoch nicht verzichten, da es ja durchaus möglich ist, deren Hauptordnungskriterien als Produktmerkmale in die Klassifikation mit aufzunehmen. So lassen sich schlagwortbezogene Suchen auch über die Zielgruppe oder den Dienstleistungstyp realisieren. Die Funktionalität wird in diesem Fall nur von der Klassifikation zur Katalogbrowser-Software verlagert.

Als Designkriterium für die Erstellung einer Klassifikation für Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen kann natürlich unterstellt werden, das die Klassifikation alle in der Praxis vorkommenden Aus- und Weiterbildungsangebote abbilden können sollte. Um diese Anforderung zu verifizieren, können die vorhanden Papierkataloge der Anbieter versuchsweise nach dem neuen Klassifikationsstandard geordnet werden. Es sollte für jedes vorkommende Angebot eine passende Klasse gefunden werden können. Trifft dies nicht zu, müssen der Klassifikation weitere Klassen hinzugefügt werden. Eine naheliegende Lösungsmöglichkeit um eine Vollständigkeit des Klassifikationsschemas herbeizuführen, bestünde in der Definition von "Sonstiges" - Klassen. Damit würde das Klassifikationsschema definitionsgemäß das Kriterium der Vollständigkeit erfüllen, da ein Dienstleistungsangebot auf diese Weise immer einer Klasse zugeordnet werden kann - entweder einer "echten" Klasse, oder falls dies nicht möglich ist, einer "Sonstiges" - Klasse. Vom Gebrauch dieser Möglichkeit ist aber abzuraten, da die Gefahr besteht, dass Dienstleistungen aus Bequemlichkeit einer "Sonstiges"- Klasse zugeordnet werden, die eigentlich sehr wohl einer "echten" Klasse unterzuordnen wären.

Ein weiteres Designkriterium ist die Eindeutigkeit. Darunter ist zu verstehen, dass ein Angebot immer genau einer Kategorie zugeordnet werden können sollte (ein Kurs darf also nicht gleichzeitig zu Kategorie A und zu Kategorie B passen). Hierzu soll aber einschränkend angemerkt werden, dass sich Doppeldeutigkeiten in der Praxis wohl nicht vollständig vermeiden lassen. So wird man bei der Ausgestaltung der Klassifikation wohl hin und wieder die strenge Forderung nach der Eindeutigkeit zugunsten einer weniger strengen Interpretation aufgeben müssen. Damit ist gemeint, dass Doppeldeutigkeiten hingenommen werden können, wenn die betreffende Dienstleistung wenigstens tendenziell besser zu Kategorie A als zu Kategorie B passt.

Als letztes Designkriterium soll noch die Einfachheit angeführt werden. Um die Klassifikation überschaubar zu halten, sollte die Anzahl der Kategorien innerhalb des Klassifikationsstandards möglichst begrenzt bleiben.

Aufbau der open-Q Klassifikation

Als Gerüst für den Aufbau der Klassifikation wurde eine Konstruktion bestehend aus zwei Ebenen gewählt, einer Hauptkategorien- und einer Unterkategorienebene. Die Hauptkategorien entsprechen weitgehend den jeweiligen Fachgebieten der Aus- und Weiterbildungsangebote; Beispiele hierfür sind etwa "Elektrotechnik", "Naturwissenschaft", "Sprachen", "Informationstechnologie", "Betriebs- und Volkswirtschaft" oder "Rechtswissenschaft". Die Unterkategorien geben die Spezialisierungsgebiete der jeweiligen Fachgebiete an. Ein Beispiel für die Hauptkategorie "Informationstechnologie", sind die Unterkategorien "Anwendungen", "Betriebssysteme", "Hardware", "Netzwerktechnik und Netzwerksicherheit" sowie "Softwareentwicklung". Des weiteren sieht die "open-Q Klassifikation" eine Merkmalsleiste vor, die die charakteristischen Merkmale der Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen beschreibt. Die Merkmalsleiste ist ein wichtiges Instrument für die Suche innerhalb der Klassifikation und ist einheitlich für alle Klassen der "open-Q Klassifikation". Definierte Merkmale sind beispielsweise die verwendete (Landes-)Sprache der Dienstleistung, der Termin an dem die Dienstleistung durchgeführt wird, oder welche Lernziele vermittelt werden sollen. Ein weiteres Merkmal ist eine Kennung die angibt, ob das Weiterbildungsangebot durch die öffentliche Hand gefördert werden kann.

Die "open-Q" Klassifikation wurde beim Institut der deutschen Wirtschaft zur Aufnahme in den ecl@ss-Standard vorgeschlagen und befindet sich zur Zeit in den zuständigen Gremien zur Evaluation. Somit könnte die "open-Q" Klassifikation schon bald Teil eines bedeutenden Klassifikationsstandards werden, der bereits heute von vielen Organisationen und Produkten unterstützt wird.